1 Was ist ein Schleimpilz?

Auch wenn der Name es nahelegt, sind Schleimpilze (Myxomycetes) keine echten Pilze. Im Gegensatz zu diesen bestehen sie nicht aus einem Geflecht von Fäden, sondern sind vielmehr ein amoebenartiges Gebilde, das keine festen Zellwände besitzt und sich sogar bewegen kann. Dieses Gebilde bezeichnen wir als Plasmodium – und seine schleimige Konsistenz ist verantwortlich für den deutschen Namen der Myxomycetes.

Dennoch bilden Schleimpilze genauso wie echte Pilze Strukturen aus, um Sporen zu bilden. Da diese aber ganz anders aufgebaut sind als die Fruchtkörper von Pilzen, reden wir stattdessen von Sporokarpien:

Auf dem Bild sehen wir die Sporokarpien unseres Fundes. Im Gegensatz zum Plasmodium sind sie nicht schleimig. Sie besitzen eine transparente Hülle, in der sich goldgelbe Fäden sowie eine gleichfarbene pulvrige Masse befinden. Die Gesamtheit der goldgelben Fäden nennen wir Capillitium, die pulvrige Masse ist eine riesige Anhäufung von Schleimpilzsporen.

2 Capillitiumfäden

Für eine Identifizierung unseres Funds sind zunächst einzelne Fäden des Capillitiums hilfreich. Sie sehen aus wie ein verdrilltes, goldenes Seil:

Das Seil weist dornartige Auswüchse auf und ist unverzweigt. Zudem sind seine Enden von großer Relevanz: Sind sie kurz oder lang, verdickt oder nicht? In unserem Fall sind die Enden kurz, meist gerade, glatt und ohne Verdickung. Zudem laufen sie spitz zu:

3 Sporen

Nicht zuletzt sind auch die Sporen wichtig: Welche Form haben sie, wie groß sind sie, und wie ist die Oberfläche beschaffen? Unsere Sporen sind (fast) kugelig und ihr Durchmesser liegt im Schnitt bei 10 ± 2 µm (1 µm ≙ 1/1000 mm):

Zudem ist ihre Farbe hellgelb und ihre Oberfläche mit einer groben, dunkel-goldgelben Netzstruktur versehen.

4 Die Bestimmung

Die Summe dieser Merkmale führt uns zu Hemitrichia aurea. Die Art ist so selten wie schön – und für Nordrhein-Westfalen ein Erstfund auf pilze-deutschland.de!

5 Weiteres zu Schleimpilzen

Hemitrichia aurea ist offensichtlich nicht häufig. Dafür gibt es aber auch einige häufige Schleimpilze! Zu finden sind ihre Sporokarpien meist auf …

  • der Unterseite liegender Äste
  • Holzspänen und Rinden
  • lebenden Pflanzen.

Von der nachfolgende kleinen Auswahl erhoffen wir uns, dass sie auch euch so neugierig auf Schleimpilze macht wie uns!

Für an Schleimpilzen weiter Interessierte, hier die Namen der abgebildeten Sporokarpien:

  • Bild 1+2: Sienabrauner Kelchstäubling (Arcyria incarnata)
  • Bild 3+4: Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum)
  • Bild 5: Graukugelschleimpilz (Didymium melanospermum)
  • Bild 6: Wespennest (Metatrichia vesparia)