1 Was ist ein Rindenpilz?

Die meisten Menschen, mit denen man über Pilze spricht, denken vermutlich zuerst an Champignons, Pfifferlinge oder Steinpilze. Doch auch wenn es sich dabei um wunderbare Speisepilze handelt, hat die Welt der Pilze uns noch weit mehr zu bieten. Pilze, die einen Belag auf Holz bilden, der so flach anliegt, als würde er eine Rinde bilden, bezeichnen wir namensgebend als Rindenpilze – und zwar unabhängig davon, ob sie auf be- oder entrindetem Holz wachsen. Viele dieser Arten bauen Holz ab und tragen so dazu bei, dass der harte Baustoff der Bäume wieder in den Nährstoffkreislauf des Waldes zurückgeführt wird.

2 Der Pilz mit dem bloßen Auge betrachtet

Einer dieser Rindenpilze ist der Rundsporige Reibeisenpilz (Web_Radulomyces rickii). Ganz unscheinbar schmiegt er sich mit seiner relativ glatten Oberfläche verschiedenstem Laub- oder Nadelholz an:

Noch bevor man das Mikroskop auspackt, bekennt der Pilz schon Farbe: Mit einer Jod-Kaliumjodid-Lösung wandelt er sich ins Orangerötliche:

3 Der Pilz unter dem Mikroskop

Begibt man sich ans scharfe Glas, offenbart uns der Rundsporige Reibeisenpilz eine Reihe interessanter Strukturen. Die sporentragenden Gebilde sind jung wellig:

Aus ihnen entwickeln sich keulige Gebilde mit Hörnchen, auf denen die Sporen gebildet werden:

Die Sporen selbst sind – wie der Name bereits nahelegt – rund:

Den kleinen Fortsatz am Ende besitzt die Spore, um sich durch einen ausgeklügelten Mechanismus möglichst weit wegschleudern zu lassen. Landet sie an einem pasenden Ort, fängt sie an zu keimen und bildet erste Pilzfäden aus. Treffen diese auf die Pilzfäden einer weiteren kompatiblen Spore, bildet sich ein neuer Organismus, der dann wieder Fruchtkörper ausbildet. Pilze sind schon etwas Besonderes – und dieser Fund etwas ganz Besonderes, denn die Art wurde in NRW erst viermal kartiert!